Mates of State

17Apr06

Es war Ende Februar dieses Jahr, es könnte auch sein dass der März schon angefangen hat, als mir durch verschiedene interessante Umstände zwei Menschen bekannt gemacht wurden. Hier auf dem Bild rechts stehen die beiden gerade vor dem Eifelturm in Paris.
Das sind Kori Gardner und Jason Hammel und zusammen machen die beiden Musik unter dem Namen Mates of State.

Als ich mir ihre Lieder das erste Mal angehört habe, war ich überrascht und auch verwundert. Irgendwie haben sie sich merkwürdig angehört. Kori spielt eine elektrische Orgel, Jason haut auf einem Schlagzeug rum und dazu singen die beiden dann zusammen. Diese Instrumentation allein ist schon nicht unbedingt alltäglich. Darüber hinaus gehen die beiden aber auch bei der Instrumentalisierung interessante Wege.

Jeder, der sich schon mal Musik angehört hat, weiß dass man mit einer Orgel ne ganze Menge lustiger Sachen machen kann.
Man kann mit ihren Geräuschen wunderschöne Melodien erzeugen, mit Viertel- oder Achtelnoten oder auch halben, wenn man mag. Richtig toll wird es aber mit ganzen Noten, wenn die Orgel über einen ganzen Takt schwingt oder noch länger, wenn aus der Melodie ein "Klangteppich" wird, der sich in Raum und Zeit ausbreitet. Kori weiß das.

Schlagzeuge sind aber auch toll. Sie geben den Rhythmus an, begleiten den Rest der Band. Und doch führen sie in den meisten Bands ein recht bescheidenes Dasein. Sie schlagen sich unbemerkt und monoton durch die Lieder wie unsere Herzen durchs Leben. In dem einen Lied ist es der und der Rhythmus und in dem Lied ein anderer. Ohne Schlagzeug würde die Band nicht richtig funktionieren, aber außer der Band bekommt das kaum einer mit. Rhythmus ist wohl überall im Leben die halbe Miete, würde ich sagen. Bei den Mates ist Jason mit seinem Schlagzeug auf jeden Fall die halbe Miete und das kommt allen zugute. Ich kann mich an keine Band erinnern bei der es soviel Spaß macht dem Schlagzeug zuzuhören.

Richtig ab gehen aber erst Orgel und Schlagzeug zusammen. Dazu kommt noch der Gesang von Kori und Jason der noch interessanter ist als die anderen Instrumente. Aber all dieses Gerede über die musikalischen Eigenschaften der Band werden den Mates of State lange nicht gerecht. Denn um über ihre Musik zu schreiben, reicht musikalisches Wissen allein nicht aus – meines schon gar nicht.

Zur Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich mir auch durchgelesen, was andere über die beiden geschrieben haben. Und wirklich jede Rezension und jeder Konzertbericht und alles andere was über sie geschrieben wurde, fing mit dem wichtigsten Aspekt dieser Bandgeschichte an, ohne den man diese Band einfach nicht beschreiben kann, ließ ihn dann aber links liegen. Nun bin ich an der Reihe es zu schreiben.
Ja, Jason und Kori sind ein Paar. Sie haben sich irgendwann mal in Kansas getroffen, dann aber nich mehr. Drei Monate lang haben sich täglich E-Mails geschrieben, dann war die Zeit endlich reif. Seit 1997 sind die beiden zusammen am Musik machen. Zuerst spielten sie mit zwei anderen Leuten in einer Band, dann gingen sie nach Kalifornien, weil Kori dort einer medizinischen Ausbildung nachgehen wollte. Aber 2001 besiegelten sie schließlich ihr Schicksal. Sie heirateten und beschlossen ihr Leben nur noch sich und ihrer Musik zu widmen.

Genau hier fängt jede vernünftige Besprechung der Band erst an.
Vom ersten Moment an, da einem die Musik vielleicht etwas seltsam erscheint, zu non-konform, zu dick aufgetragen oder gar überheblich, ist es nicht unbedingt die Musik an der man sich stört. Umgekehrt ist es aber auch nicht zwangsläufig die Musik die einem vom ersten Augenblick an mitreißt und in wundervolle Gefühlswogen versetzt.
Was die Mates of State mit ihrer Musik erreicht haben, ist mir bisher bei keiner anderen Band aufgefallen. Zusammen machen sie Musik, weil sie sich lieben. Und diese Liebe lassen sie in ihrer Musik leben und dadurch alle, die die Musik in sich aufnehmen, spüren.

Wie jedes andere schöne Paar, verschmelzen Kori und Jason zu einem Sinnbild menschlicher Perfektion.
Mängelbehaftet sind beide für sich wie jeder andere Mensch auch. Beide sind sie keine Virtuosen an ihren Instrumenten oder in ihrem Gesang. Doch zusammen gleichen sie ihre Schwächen aus: Ein Gedanke von einem in Worte gepackt wird vom anderen mit den fehlenden Worten vervollständigt. Was Kori noch in einer Melodie auf der Orgel fehlt, gleicht Jason mit einer irren Kombo auf den Drums aus. Genauso würde das Schlagzeug monoton klingen wie bei so vielen anderen Bands auch, wenn es nicht die Orgel gäbe für die es sich ins Zeug legen muss. Oft hört man die beiden zwei verschiedene Texte in verschiedenen Melodien singen, die sich dann am Ende der Zeile in einem gemeinsamen Ton vereinen.
Ich dachte ich würde sie nicht verstehen können, weil sie sich eine eigene Sprache erfunden haben, mit der sie sich vielleicht zuweilen sogar lustig über einen machen. Schon der Bandname hat mir Schwierigkeiten bereitet. Zuviele Deutungsmöglichkeiten für einen Außenstehenden, habe ich mir gedacht, nur die beiden wissen was es wirklich damit auf sich hat.
Aber es gibt gar nicht viel zu verstehen, habe ich gelernt, nur ein Gefühl, das man erst zulassen muss.

Wer sich die Mates of State anhört und sich über dieses Gefühl nicht sicher ist oder daran zweifelt, dem kann ich nur sagen dass er mal in sich hinein blicken sollte und entdecken wird dass fünfzig Prozent von diesem Gefühl auch in ihm stecken, genauso wie in jedem anderen Menschen auch.

Im letzten Jahr haben die Mates of State übrigens auch Nachwuchs bekommen. Man kann es in ihrem neuen Album sogar hören: Kori spielt jetzt auch Klavier. Ja und sie sind auch Eltern geworden🙂
Kori singt: "I know I've never loved this much"

Und mit ihrer Liebe wächst ihre Musik und das kann man hören. Und deshalb mag ich sie so. Und deshalb habe ich das hier aufgeschrieben, damit jeder es weiß. Und deshalb möchte ich auch nochmal an den Teaser von gestern erinnern.



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