traurige Zukunft

26Apr06

Der Info-Übungsleiter erzählte hat uns grad dass man uns ja analytisches Denken beibringen will. Das merken wir gar nicht. Das passiere einfach nebenbei, sozusagen per "Gehirnwäsche", wie er sich ausgedrückte. Und darauf legt er natürlich auch großen Wert beim Ausarbeiten der Aufgaben für die Übungsblätter.

Erst nach einigen Semestern merke man es dann doch, dass irgend etwas mit einem passiert ist.
Er erzählte uns eine Anekdote, in der er einen alten Schulkameraden aus seinem Mathe-LK wiedertraf und er sich mit ihm über ihre alte Gemeinsamkeit Mathematik unterhalten wollte. Er fand sich frohen Mutes am Erklären und am Erklärung Erklären und am Erklärung Erklären Erklären. Ihm fiel nicht auf dass das Gespräch von anfang an keinen Sinn hatte; ich würde auch nicht wollen, dass mir meine armen Wirschaftsfreunde einen Monolog über die gesamte Makroökonomie halten, um mir am Ende bloß deutlich zu machen dass Geld geil ist. Aber der Übermut des Übungsleiters, ließen ihn erklären und erklären, in der Hoffnung festen Überzeugung sein Nicht-Info-Kumpel würde ihn am Ende doch verstehen.
Er erzählte dann weiter dass die Nebenwirkungen des analytischen Denkens eben diese Überheblichkeit oder "Rechthaberigkeit" seien, wobei mir dann noch einige treffende Substantive eingefallen sind, die ich seit einiger Zeit auch schon an mir bemerkte.

Rosige Aussichten, sag ich dazu… in einem sarkastischen, arroganten, selbstgefälligen Ton.
Mein eigenes soziales Grab hab ich mir da geschaufelt! "Mit einem leeren Blick", sagte der Übungsleiter, blickte sein Kumpel ihn an.

Ich hätte es schon früher bemerken sollen! Einigen ist es bereits vor Monaten aufgefallen doch ich wollte davon nichts hören. Ich werde ein Riesenarschloch!!!

Es tut mir wirklich leid, dass es mir erst jetzt bewusst wird, zu spät, um den vielen Schaden und das böse Leid, das ich lieben Menschen angetan habe, zu verhindern. All die lieben Menschen, die viel mehr als nur das Gegenteil dessen verdient gehabt hätten. Das sage ich übrigens tatsächlich in einem herzlich traurigen Ton, der aber wahrscheinlich trotzdem total arrogant und zynisch rüberkommt.

Besser ihr bleibt mir alle fern und seht mich nie mehr wieder, damit ihr mich als den lieben Menschen, der ich auch irgendwann mal war, in Erinnerung behalten könnt.
Das Summen der Rechner im Keller wird mich immer an das Summen der Bienen im Frühling erinnern, das ich früher als Mensch genießen durfte, bevor ich mich selbst in die Verdammnis dieser schwarzen Wissenschaft verbannte.



2 Responses to “traurige Zukunft”

  1. 1 Mattosch

    Ich denke, dass mir mein ins Gehirn gewaschenes analytisches Denken sehr hilft, Zusammenhänge in meiner Umwelt zu verstehen. Und ich denke auch, dass ich mich dadurch gegenüber meinen Mitmenschen besser verständlich machen kann.
    Ich entdecke auch immer mehr, dass Kreativität nicht im Gegensatz zum Analytischen steht, da man durch ganz andere Betrachtungsweisen auch besser analysieren kann und durchs Analysieren auch neue Blickwinkel erschließen kann.
    Dein Übungsleiter scheint mir so ein Wissenschaftssnob zu sein, der zwar kein Fachidiot ist aber sich für bessergestellt hält, weil seine Wissenschaft aus seiner SIcht für die Menschheit mehr Gutes als alle anderen Wissenschaften zusammen bringt.
    Solche Leute gibt es viele (zumindest an meiner Uni).
    Es ist klar, das Professoren ihren Fachbereich immer ins Rechte Licht zu rücken versuchen. Manche Personen deuten leider deren Ideen und Begeisterung zu Dogmen um und erzählen von armen unwissenden Leuten mit leeren Blicken.

    NUR WEIL DEIN ÜBUNGSLEITER EIN ARSCHLOCH IST,
    MUSST DU NICHT AUCH EINES WERDEN!

  2. Yeah, fein gesprochen.

    Der Typ hat mir schon ziemlich angst gemacht. Aber mittlerweile haben meine kontroversen Ansichten wieder Überhand😉

    Wir wissen ja hoffentlich alle, dass es schließlich immer auch darum geht, wie man sein Wissen und seine Fähigkeiten einsetzt. Dass da nich immer was Gutes bei rauskommt, ist auch klar.
    Ich habe hier mal meinen Befürchtungen freien Lauf gelassen. Mir ist allerdings wohl bewusst, dass wenn ich ein Arschloch werde, ich das aus eigener Überzeugung tu.
    Andererseits passe ich ja doch auf, einigermaßen lieb zu sein und nur böse zu denen, die es nicht anders sondern genauso wollen.

    WENN MAN IMMER AUF SEIN HERZ HÖRT, MUSS MAN VOR NICHTS ANGST HABEN11!!!

    caps rocken schon ab und zu😀


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